12. Letzebuerger Wäibaudag

Am 5. Februar fand der 12. Weinbautag im Wormeldinger Kulturzentrum statt. Nachdem De Letzeburger Bauer in der letzten Nummer die Themenbereiche Unterstockpflege und Kompostierung behandelt hatte, geht es im nachfolgenden dritten Teil um den Themenbereich Klimawandel. 

Source : De Letzeburger Bauer
Publication date : 02/21/2020

 

Klimawandel-Anpassungsstrategien 

Hitze und Trockenheit können auch dem heimischen Weinbau zusetzen, wie man an den teilweise vertrocknetenJungreben und den hohen Sonnenbrandschäden im vergangenen Jahr sehen konnte. Über Anpassungsstrategien bei warmen, trockenen Sommern sprach Dr. Matthias Petgen vom DLR Rheinpfalz in Neustadt an der Weinstraße. Der Redner wies eingangs daraufhin, dass hauptsächlich Jungreben bis zum dritten 'oder vierten Standjahr trockengefährdet sind. Besonders problematisch seien in Trockenjahren nachgepflanzte Reben im Bestand, Sie sollten während einer Trockenperiode mehrmals gewässert werden. 

Bereits vor dem Sichtbarwerden von äußeren Trockenschäden reagiere die Rebe mit einer Umstellung auf "Wassersparmodus", so der Redner. Mit zunehmender Trockenheit komme es schließlich zu einem teilweisen Schließen von Spaltöffnungen, so dass die Photosyntheseleistung zurückgehe. Schließlich drohen irreversible Schädigungen, wie Nekrosen und Blattfall. 

Der Redner kam auf australische Erfahrungen zu sprechen, wonach irreparable Schäden auftreten, wenn während mindestens fünf aufeinanderfolgenden Tagen Maximaltemperaturen von über 35°C bzw. an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen von über 40°C auftreten. Die Schäden, welche bei solchen ,"Heatwaves" entstehen, seien vergleichbar mit Trockenschäden. Lockerbeerige Sorten bzw. Klone seien weniger stark betroffen. Als weiteren Stressfaktor nannte er Ozon, das in Extremjahren wie 2018 punktförmige braune bis schwarze Nekrosen verursachen kann. 

Der Experte vom DLR Rheinpfalz kam in der Folge auf die Anpassungsstrategien zu sprechen. Er riet dazu, bei extremem Wasserstress in ertragsstarken Anlagen die Stöcke frühzeitig zu entlasten, indem man einzelne Trauben, Kurztriebe oder abfallende Bögen abschneidet. Als weitere Notfallmaßnahme nannte er die starke Einkürzung hoher Laubwände, die ebenfalls nicht zu spät erfolgen darf. In Versuchen habe sich zudem gezeigt, dass eine Spritzung mit kaolinhaltigen Mitteln (UV-Filter- sowie partielle Reflexionswirkung) helfen könne, Sonnenbrandschäden zu verringern. 

Als weitere Maßnahmen riet Dr. Petgen zu folgenden Maßnahmen auf besonders gefährdeten Standorten, wie leichten, skelettreichen Böden: Kornpostgaben und Teilzeitbegrünungen mit wenig wasserzehrenden Arten und flache Bodenbearbeitung in offenen Gassen. Und schließlich nannte er die Bewässerung, auf Extremstandorten vorzugsweise mit einer stationären Tropfbewässerungsanlage. In einer Standardanlage (2 m Gassenbreite und 1 m Stockabstand) sind pro Bewässerungswoche 50 cbm Wasser pro Hektar zu veranschlagen. 

Speziell für flachgründige, wenig speicherfähige Böden riet Dr. Petgen gar zur Etablierung von an die Trockenheit angepassten Weinbausystemen. Dazu kann zum Beispiel die Rebsorten- und Unterlagenwahl gehören. Wasserstresstolerante Unterlagen mit Vitis rupestris-Erbgut haben zudem eine verzögerte Reife zur Folge. Mit schwachwüchsigen Unterlagen ist auch eine Umstellung auf eine um bis zu 100 Prozent gesteigerte Pflanzdichte möglich, was zu einer tieferen Durchwurzelung führt. (Die Details zu dieser Thematik sind in einem separaten Artikel in einer unserer nächsten Nummern nachzulesen.)

Podiumsdiskussion zum Klimawandel 

Speziell zur Klimawandelthematik fand eine Podiumsdiskussion statt. Teilnehmende waren Dr. Mathias Petgen vom DLR Rheinpfalz, Dr. Jürgen Junk und Dr. Daniel Molitor vom LIST, Sonja Kanthak vom IBLA, Georges Fohl vom ONR, Dr. Luc Zwank vom Wasserwirtschaftsamt und Rodrigo Laytte, technischer Direktor von LVMH, einer Weinbaugruppe, die auf vier Kontinenten aktiv ist. Die Moderation hatte IVVBerater Serge Fischer inne. 

Die beiden LIST-Wissenschaftler umrissen den Impakt der Witterung auf den künftigen Weinbau, vor allem hinsichtlich größerem Hitzestress, ungünstiger zeitlicher Niederschlagsverteilung und früherer Reife. Unter Umständen sei es ratsam, auf spätere Standorte zu wechseln, um die Sortentypizität erhalten zu können. Als zentralen Punkt nannten sie auch das Wassermanagement: wie schaffe man es künftig, die Niederschlagsüberschüsse aus dem Winterhalbjahr während der Vegetation nutzen zu können. Daniel Molitor wies auf die erhöhte Fäulnisgefahr durch die frühere Reife hin sowie auf die Tatsache, dass es aufgrund der Unvorhersehbarkeit der witterungsbedingten Herausforderungen sehr schwierig ist, die richtige Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. 

Dr. Zwank skizzierte die potenziellen Möglichkeiten der Entnahme bzw. Nutzung von Wasser als Bewässerungswasser. Eine Grundwasserbohrung ist genehmigungspflichtig und erst möglich nach einer Probebohrung. Sofern die Entnahme genehmigt wird, wird eine Jahresentnahmemenge festgelegt. Pro Kubikmeter werden 12,5 Cent verrechnet. 

Einer Genehmigungspflicht unterliegt auch die Installierung eines Auffangbeckens. Eine weitere potenzielle Möglichkeit wäre die Wiederverwendung von Brauchwasser, das im Kellereibetrieb zum Einsatz gekommen ist, sowie die potenzielle Nutzung von bereits geklärtem Wasser aus Kläranlagen. Letzterer Punkt basiert auf einer Verordnung der EU. Laut Verordnung müssen ganz klar definierte Qualitätskriterien bei diesem Wasser erfüllt sein. Der stell vertretende Direktor wies darauf hin, dass bei einer Wasser-Wiederverwertung eine Unterstützung über den Wasserfonds potenziell möglich wäre, und zwar im Rahmen eines Pilotprojekts. 

Eine Entnahme aus größeren Fließgewässern ist ebenfalls potenziell möglich, wobei in sommerlichen Trockenperioden oftmals zuwenig Wasser vorhanden ist für eine Entnahme. Im Falle einer Entnahme aus der Mosel spielt dieser Faktor meist keine Rolle. Auch hier fällt eine Gebühr an. 

Dr. Petgen sprach vom Klimawandel als größter Herausforderung überhaupt. Er sehe einerseits gewisse Chancen durch den Klimawandel. Andererseits würden die Wetterkapriolen zunehmen. Er glaube nicht an einen Sortenwandel hin zu Klimawandel-verträglichen Sorten, weil die Verbraucher nicht mitziehen würden. Des Weiteren machte der Experte aus Neustadt deutlich, dass Grundwasserbohrungen zwecks Gewinnung von Bewässerungswasser nur Sinn machen, wenn das Grundwasser in einer akzeptablen Tiefe zu finden ist. Ansonsten könnten im Extremfall allein für die Bohrungen Kosten von 30.000 Euro und mehr anfallen. Bei 15 m Tiefe seien es nur 5.000 bis 6.000 Euro. 

Georges Fohl betonte, dass man im ONR umdenken und sicherstellen müsse, dass Junganlagen mit Bewässerungswasser versorgt werden können. Bei anstehenden ONR-Projekten in Stadtbredimus und Wintringen wolle man sich mit den Winzern darüber verständigen, wo Flächen für Wasserbehältnisse bereitgestellt werden. Der ONR-Direktor erwähnte des Weiteren, dass die diesbezüglichen Entscheidungen in Absprache mit den zuständigen Ministerien (Umwelt und Landwirtschaft) getroffen werden, auch um zu sehen, was an finanzieller Unterstützung möglich ist. 

Sonja Kanthak wies auf die Möglichkeit hin, vergleichsweise kostengünstig vorzusorgen, nämlich mit Maßnahmen zur Verbesserung der Infiltration von Niederschlagswasser sowie durch ein gutes Humusmanagement (wodurch die Feldkapazität erhöht wird). Zudem nannte sie als wassersparenden Faktor, zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Maßnahme die Kapillaren zu brechen.  


(hl).

 

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