EFFO-Feldbegehung in Wahl

Zum FILL-Projekt 'EFFO - Effiziente Fruchtfolgen' fand am vergangenen Freitag am Versuchsstandort Wahl eine Feldbegehung statt. Diese bot die Gelegenheit, den aktuellen Stand des Projekts zu beleuchten und auf die diesjährige Situation einzugehen. Neben den sechs RapsVarianten wurden auch die beiden Alternativkulturen Öllein und Hanf vorgestellt.

Source : De Letzeburger Bauer
Publication date : 06/29/2018

 

FILL-Präsident Nico Kass kam in seiner einleitenden Ansprache auf einige Punkte zu sprechen. Man befindet sich bereits im dritten Projektjahr. Seit einem Jahr ist auch der Fernerkundungsdienstleister Geocoptix mit involviert. Hierzu merkte der PILL-Präsident an: "Ich hoffe, dass der praktische Landwirt hierdurch künftig ein zusätzliches Instrument für einen noch effizienteren Pflanzenschutz bekommt."

In Sachen Pflanzenschutzeinsatz kritisierte Nico Kass die aktuelle Marschrichtung seitens der Politik. "In der Politik wird gemeint, mit der Hälfte würden wir viel erreichen, und genau das ist das Problem." Man habe die letzten Jahre Resistenzen aufgebaut, indem man mit sowenig Wirkstoff pro ha wie möglich gefahren sei. Der PILL-Präsident bemühte hierzu einen Vergleich mit der Humanmedizin. Wenn man bei der Antibiotikabehandlung nach dem dritten Tag aufhöre, sei es dasselbe. Sein Fazit diesbezüglich war: "Wenn wir es fertig bringen würden, über teilflächenspezifische Behandlungen Pflanzenschutzmittel effizient einzusetzen mit der empfohlenen Dosis, dann hätten wir viel mehr erreicht, wie wenn wir gar nichts mehr tun oder mit der halben Dosis fahren."

Projektleiter Alain Majerus bedankte sich zunächst bei den fünf Landwirten, die ihre Flächen für das Projekt zur Verfügung stellen und auch bestimmte Arbeiten im Kulturjahr durchführen. Auf dem besichtigten Standort Wahl ist es eine Fläche von gut einem Hektar vom Betrieb Mausen. Alain Majerus erklärte den Anwesenden die EFFO-Ziele und den Versuchsaufbau. Es geht bei EFFO darum, Alternativen zum herkömmlichen Rapsanbau aufzuzeigen. Zum einen sind dies Alternativen zum Raps-Herbizidwirkstoff Metazachlor, zum anderen das Verfolgen neuer Anbaustrategien. Hinzu kommen alternative Kulturen wie Öllein und Hanf, mit denen man die Fruchtfolge auflockern und die Biodiversität erhöhen kann. Als weiteren potenziellen Motivationsgrund zum Testen dieser Alternativen nannte der Berater von der Landwirtschaftskammer, dass man teilweise auch davon profitieren kann, an einem Agrarumweltprogramm teilzunehmen.

Auf drei Standorttypen (Reisdorf/ Bettendorf, Simmern/ Hobscheid, Wahl) werden die Kleinparzellenversuche durchgeführt. Jedes Jahr werden neue Flächen mit Raps bestellt. Über Feldbegehungen und Tagungen sollen die Resultate stets zeitnah präsentiert werden. Gleichzeitig soll das erworbene Wissen an die LTA-Schüler weitergegeben werden. Acht Varianten werden auf 6 x 20 m großen Parzellen in vierfacher Wiederholung getestet. Metazachlor dient als Kontrollvariante. Hinzu kommen fünf alternative Rapsvarianten sowie Öllein und Hanf. Die Fruchtfolge (FF) ist fünfgliedrig. Es wird in zwei FF-Varianten gefahren, um Jahreseffekte berücksichtigen zu können. Der Schlag wurde hierzu geteilt. In Variante A sind dies Mais, Winterweizen plus Zwischenfrucht, Erbsen, Ölfrucht (Raps, Öllein, Hanf), Wintergerste plus Zwischenfrucht. Bei Variante Bist die FF um ein Jahr zeitversetzt und beginnt mit Winterweizen.

Der Versuchsleiter nannte die fünf alternativen Rapsvarianten und benannte mitunter kritische Punkte. Bei der integrierten Variante kommen statt Metazachlor Clomazone und Pethoxamid im VA zum Einsatz. Die Variante Weite Reihe beinhaltet Doppelreihen, die 62,5 cm Abstand haben und 12,5 cm Abstand innerhalb der Doppelreihen. Ziel ist es hier, im Herbst zu hacken und auf den Reihen eine Bandspritzung durchzuführen. Die Ökovariante, wo die Aussaat mit denselben Abständen erfolgt wie bei der Weiten Reihe, erhält eine normale org. Düngung im Herbst und wird ohne Pflanzenschutz und ohne Mineraldünger gefahren. Bei der mechanischen Variante ist ein Striegelstrich im Herbst vorgesehen. Laut Alain Majerus fand man in den Versuchen bislang keine Gelegenheit zum Striegeln: Entweder es war zu nass oder der Raps war bereits zu groß. Bei der Variante Colza associe handelt es sich um eine Mischung von Raps und abfrierenden Leguminosen. Darunter sind grobkörnige Leguminosen, die eigentlich tiefer gesät werden sollten als der Raps. Die Leguminosen sollen im Herbst den Boden so gut wie möglich bedecken und Unkraut unterdrücken, was aber bisher nicht allzu gut funktioniert. Auch sollen sie Stickstoff liefern.

Alain Majerus verglich im Folgenden die beiden ersten Versuchsjahre hinsichtlich des Ertrags in den einzelnen Varianten. 2016 galt als schwieriges Jahr mit entsprechend niedrigen Erträgen. 2017 war hingegen ein starkes Jahr mit Erträgen, die im Maximalfall bis nahe an die 60 dt/ha heranreichten. Die Streuungen innerhalb einer Variante fielen mitunter sehr groß aus. Der Versuchsleiter von der Landwirtschaftskammer merkte an, dass man keine Relativerträge angibt, was den Vergleich schwieriger macht.

Der Versuchsleiter ging auch auf die Bedingungen auf den drei Standorten im aktuellen Versuchsjahr ein. Der Raps lief teilweise verzögert auf und der Feldaufgang ließ mancherorts zu wünschen übrig. Es sei aber genug, um den Ertrag abzusichern. Im milden Oktober sei der Raps regelrecht explodiert. Wegen mangelnder Befahrbarkeit erwies sich die mechanische UKB wiederum als schwierig.

Hauptschädling war im Frühjahr der Rapsglanzkäfer. Doch während auf den beiden südlichen Standorten zweimal gegen diesen Schädling behandelt werden musste, konnte man sich am Standort Wahl mit einer einzigen Behandlung begnügen. Die Rapsblüte verlief deutlich früher als im mehrjährigen Mittel.

Der Versuchsleiter legte auch dar, was es mit der physiologischen Knospen welke auf sich hat. Die Pflanzen standen im April unter Stress, da das Blattwachstum enorm stark war, deutlich stärker als das Wurzelwachstum. Hinzu kamen große Tag-Nacht-Schwankungen bei der Temperatur. Dies führte zur besagten Knospen welke. Es handelte sich nicht um ein flächendeckendes, sondern um ein schlagspezifisches Phänomen.

Der LIST-Wissenschaftler Dr. Michael Eickermann kam auf weitere Details zum Rapsjahr zu sprechen. Er zeigte eine Pflanze mit relativ schwach entwickelter Wurzel und Sklerotiniabefall. Die Weißstängeligkeit ist diesmal wegen der trockenen Witterung im April nicht das große Problem. Diese Krankheit tritt jedoch regelmäßig stärker auf. Am LIST wird deshalb an einem Prognosemodell gearbeitet.

Bei den Unkräutern traten abermals sehr große Schwankungen auf. 30-35 Arten wurden bislang im Versuch festgestellt. Am Standort Wahl ergab sich u.a. folgendes: Bei der Kontrollvariante gab es rel. viele Unkräuter. In der Regel dominierten Ackerstiefmütterchen und Vogelmiere. Des Weiteren ist relativ viel Klettenlabkraut im Bestand. Bei den Herbizidvarianten wurden Bodenproben aus dem obersten Horizont (0-30 cm) entnommen, welche vom LIST auf Wirkstoffe und Metaboliten von Herbiziden untersucht werden. Der LIST Wissenschaftler machte zudem deutlich, dass die Projektlaufzeit nicht ausreicht, um bei Fragestellungen zum Unkrautbesatz und zur Wirkung der Untersaat zu befriedigenden Resultaten kommen zu können.

Gilles Rock von der Firma Geocoptix ging auf den aktuellen Stand bei der Fernerkundung ein, bei der meist Drohnen zum Einsatz kommen. Diesmal wurden erstmals Versuche gemacht, um die Unkräuter, genauer gesagt Gruppen von Unkräutern zu unterscheiden. Im Labor sollen dieses Jahr Spektrografien von einzelnen Arten gemacht werden. Ziel ist letztlich eine sichere Unterscheidung von Unkrautarten aus der Luft und eine anschließende teilflächenspezifische Behandlung mittels GPS. Gilles Rock schätzt, dass noch 5-10 Jahre Entwicklungsarbeit hierfür benötigt werden.

Abschließend wurden die acht Varianten in der Praxis präsentiert. Bei allen sechs Raps-Varianten wurde eine organische Düngung mit 60 N im Herbst vorgelegt. In Wahl kam hierfür Biogasgülle zum Einsatz. Bei der Variante Weite Reihe wurde im Oktober zwischen den Reihen gehackt und in der Reihe eine Bandspritzung gemacht. Dennoch hat sich relativ viel Klettenlabkraut entwickelt. Auch bei anderen Varianten ist dieses Unkraut zu finden, das bei der Qualität des Ertrags eine Rolle spielen könnte. Besonders bei der Variante Mechanische Bearbeitung ist dies problematisch, da kein Striegelstrich und somit überhaupt keine Unkrautbekämpfung erfolgte. Bislang gab es bei den EFFO-Versuchen laut Alain Majerus noch nie ein Problem mit Klettenlabkraut. Ein zweites problematisches Unkraut am Standort Wahl ist diesmal Kamille.

Beim Öllein wurde im Nachauflauf ein Herbizid eingesetzt. Diesmal sieht es auf allen drei Standorten gut aus mit dieser Kultur, nachdem 2017 nur in Wahl geerntet werden konnte, während in Simmern und Bigelbach ein Totalausfall zu verzeichnen war.

Beim Hanf, der ohne Pflanzenschutz auskommt, hat man nach den letztjährigen Erfahrungen eine frühreife Sorte gewählt, die nicht so groß wird und hoffentlich früh genug abreift, um gedroschen werden zu können. Rund 10 dt/ha sind zu erwarten. Alain Majerus betonte, dass der Absatzmarkt für diese Ölfrucht klein ist.

(hl)

 

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